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Die unterschiedlichsten Erfahrungen bei einem Kaiserschnitt können Frauen als traumatisch, schmerzlich oder enttäuschend empfinden - die auslösenden Momente sind bei jeder Frau individuell. Manchmal sind es scheinbare Kleinigkeiten, die Jahre im Gedächtnis bleiben.

Ich persönlich verwende den Traumabegriff recht weit, entsprechend der Definition der Dipl. Psychologin Christiane Windhausen "Ein Erlebnis wird als traumatisch erfahren, wenn es auf körperlicher, emotionaler oder mentaler Ebene so überwältigend ist, dass es auf einer oder mehreren Ebenen nicht integriert werden kann.“

Das Ausmaß der Traumatisierung ist abhängig davon, ob es sich um eine wiederholte Kaiserschnittgeburt handelt oder wie lange sie dauerte. Eine Rolle spielen auch Gefühle wie Ausgeliefertsein und Hilflosigkeit. Die Qualität der Betreuung durch Hebammen und Ärzte hat einen wesentlichen Einfluss, wie auch Lebensumstände, Vorerfahrungen und Verarbeitungsstrategien.

Folgende Erfahrungen, von denen mir Kaiserschnittmütter berichtet haben, können Auslöser einer Traumatisierung sein:

1. Operationserfahrung

Die Operationserfahrung selber bedeutet für manche Frauen eine Verletzung der eigenen Körperintegrität.

"Ich fühlte mich bei lebendigem Leibe aufgeschnitten!"

Der Unterleib wird von Frauen anders betrachtet - und wertgeschätzt - als ein peripherer Körperteil: Der Bauch als Sitz der primären sexuellen Organe, die Quelle der Weiblichkeit, der Ort des Gebärens.

"...die haben einfach in mein bestes Stück geschnitten..."

Schmerzen oder Nachwehen nach der Operation im Bereich der frischen Narbe können eine existentielle Erfahrung darstellen.

"Der Wundschmerz war so stark, dass ich eine Woche gebückt rumlief. Und die Schwestern haben hinter meinem Rücken gelacht."

 

2. Unachtsame Behandlung durch Klinikpersonal/Angehörige

Die Behandlung des Klinikpersonals und der eigenen Angehörigen kann das Trauma eines Kaiserschnittes deutlich mildern, aber auch verschlimmern:

"Ich kam mir vor, wie ein Stück Vieh ... rasiert ... von einer Bahre auf die andere geschoben ... einfach unwürdig."

"Ich habe die Hebamme kaum gesehen....ich war mit meinem Mann sozusagen allein....dann ging alles ganz schnell..."

Der Partner oder Ehemann hat die Art der Geburt nicht genug gewürdigt.

"Mein Mann hat mir keinen Blumenstrauß mitgebracht, obwohl ich ihm immer wieder gesagt habe, wie wichtig mir das wäre."

 

3. Ausgeliefertsein / Kontrollverlust

Einer der häufigsten Gründe für ein Kaiserschnitt Trauma ist das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Die Frau hat das Gefühl, in eine Mühle geraten zu sein, in der sie plötzlich nicht mehr selber entscheiden kann. Auch andere geburtshilfliche Interventionen, wie Wehentropf oder Blasensprengung, werden als Kontrollverlust erlebt.

"Ich hätte einfach mehr Zeit gebraucht“ bekomme ich oft in meiner Praxis zu hören."

 

4. Trennung vom Neugeborenen

Das Baby wird nicht im OP untersucht, sondern in einem anderen Raum des Krankenhauses oder die Mutter muss das OP-Ende abwarten, weil der offene Bauch noch verschlossen wird.

In manchen Krankenhäusern muss die Mutter ohne das Neugeborene im normalen Aufwachraum für Frischoperierte bleiben, bis die Periduralanästhesie abgeklungen ist. Das kann bis zu mehreren Stunden dauern.

"Ich hatte eine PDA und durfte mein Baby nicht sehen, weil ich im Aufwachraum lag. Ich guckte 1,5 Stunden auf die Zeiger der Uhr... Es war endlos."

Das Neugeborene wird in ein anderes Krankenhaus, in eine Kinderklinik verlegt, oder die Kinderklinik liegt in einem anderen Gebäude.

"Eines von den Zwillingen musste verlegt werden - ich hatte meinen Sohn nicht ein einziges Mal auf meinem Arm, um ihn richtig zu begrüßen."

Tod des Kindes vor, während oder nach der Geburt.

 

5. Eigene Vorstellungen und Erwartungen

Die geplante sanfte natürliche Geburt endet mit einem Kaiserschnitt.

"Meine erste Geburt war ein Kaiserschnitt, bei der zweiten habe ich so geackert, um mein Kind auf normalem Weg zu bekommen, und dann gab es am Ende keine Belohnung, sondern wieder eine OP."

"Am Ende war es ein Kaiserschnitt, und ich fühlte mich vom Schicksal betrogen!"

 

Trauma durch Kaiserschnitt
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